Widerstand ist eine Form von Beurteilung

Begeben wir uns ins China des 13. Jahrhunderts. Wir sitzen zu Füßen des ehrwürdigen Meisters Chang San-Feng und lauschen seinen Ausführungen über Shen (Geist), Yi (Vorstellungskraft) und Qi … Er spricht über den Fluss des Qi, der der Vorstellungskraft folgt und sich vom Boden durch den ganzen Körper dorthin bewegt, wo das Qi gebraucht wird. Um mit den Worten zu enden: „All dies unterliegt dem Geist und zeigt sich nicht physisch.“

Damals wie heute sind die Ausführungen nicht leicht zu verstehen, geschweige denn anzuwenden. Für Generationen von Schülern der Inneren Kampfkünste klingen sie wie Zeugnisse aus einer fernen und fremden Welt, und es bedarf einiger Anstrengung und Überlegung, den Sinn zu erfassen.

Der Geist und der Mensch sollen ruhig werden, sich nicht von äußeren Dingen, Emotionen, dem Ego oder dem Ehrgeiz leiten lassen, ganz im Hier und Jetzt verweilen.

„Die Zerstörung des Egos, seine Auflösung im kosmischen und göttlichen Bewusstsein ist auch ein Teil unserer Ansicht der Umwandlung; durch diese Zerstörung entdecken wir die wahre oder spirituelle Person, die ein ewiger Teil des Göttlichen darstellt.“
Sri Aurobindo

Und schaut man in andere Kulturen, ganz egal, ob europäische oder fernöstliche, all die Weisen trachteten danach, den Geist zu kontrollieren und das Ego zu besiegen, aufzulösen…

Warum eigentlich? … und was ist eigentlich der Geist und das Ego?

Das Problem, das hier nach einer Lösung verlangt, ist unsichtbar … physisch nicht sichtbar, wie es auch Chang San-Feng schon wusste. Denn die meisten Handlungen und Worte, die wir ausführen und sprechen, sind unbewusst. Einerseits ist das auch gut so. Wir alle wären längst reif für die Klapsmühle, müssten wir jeden Dialog an der Supermarktkasse oder das tägliche Zähneputzen bewusst erleben und abarbeiten…

Andererseits bedeutet das aber auch, dass es irgendetwas in uns gibt, das diese Dinge steuert. Oder, uns steuert? Denn wer kann sicher sein, dass sich dieses Etwas nur um Smalltalk und Zähneputzen kümmert, bei den wirklich wichtigen Fragen aber plötzlich schweigt? Und wer oder was soll dann eigentlich so plötzlich das Kommando übernehmen?

Sichtbar wird dies z.B. für Push Hands-Spieler. Sie wissen, dass man sicher verliert, wenn man das tut, was man normalerweise tut, nämlich auf Druck mit Gegendruck oder Widerstand zu reagieren. Auch Emotionen wie Wut, Ärger oder Angst verleiten zu Bewegungen, die ein geübter Gegner leicht zu seinem Vorteil nutzen kann.

Hier sind einige Dinge schön zu sehen: dieses Etwas, das uns steuert, glaubt offenbar zu „wissen“, dass man auf Druck hart werden und mit Gegendruck antworten muss – und tut das auch. Ganz automatisch. Komisch nur, dass wir dabei sicher aus dem Gleichgewicht geraten. Da stimmt doch etwas nicht?!

Und statt darüber nachzudenken, ärgern wir uns… Aber ärgern wirklich wir uns? Ärgert sich nicht vielleicht auch dieses Etwas?

Sind wir überhaupt präsent? Leben wir unser Leben überhaupt?
Oder werden wir gelebt? Sind wir ferngesteuert von diesem Etwas?

Nennen wir dieses Etwas Affengeist, wie die Chinesen, oder Ego. Und um es einmal deutlich zu spüren, machen wir ein kleines Experiment: Suchen Sie in Ihrer Vergangenheit einen besonders schönen oder glücklichen Moment. Und dann versuchen Sie, 15 Sekunden ununterbrochen und intensiv an diesen Moment zu denken. Achtung, fertig, los…

15, 14, 13, 12, 11, 10 …

Wetten, dass Sie es NICHT geschafft haben, im ersten Anlauf Ihren Geist und Ihre Vorstellungskraft 15 Sekunden auf einen wunderschönen Moment in Ihrem Leben zu fokussieren? Spätestens nach zehn Sekunden hat ziemlich sicher der Affengeist dazwischen gequatscht und Sie daran erinnert, was Sie unbedingt heute noch erledigen müssen, dass die Verkäuferin beim Bäcker so unfreundlich war, Sie schon wieder für Ihren Chef irgendeinen Blödsinn nebenbei erledigen mussten…

„Es beginnt damit, dass du ICH sagst: Alles, was danach kommt, ist Illusion.“
Kodo Sawaki

Ha! Da haben wir es also ertappt, dieses Ego, das uns steuert, und glaubt, alles besser zu wissen!

Überlegen Sie sich das einmal: Dieses Ego gönnt Ihnen keine 15 Sekunden für eine schöne Erinnerung! Es lässt Sie nicht das denken, was Sie denken wollen! Es handelt für Sie, ohne vorher zu fragen… Starkes Stück!

… und dann ärgert es sich auch noch für Sie, weil das halt so üblich ist! Auch dann noch, wenn es lächerlich und völlig unnötig ist.

Pah! Kein Wunder, dass die Weisen, die dieses Viech erkannt hatten, alles daran setzten, es unschädlich zu machen. Aber wie schafft man das, wenn diese Prozesse doch unbewusst ablaufen?

Weiter zu Teil 2: Vom Ego und der Kunst, im Hier und Jetzt zu leben

(Literatur:
Shaw, Andy: A bugfree mind, 3. Aufl., September 2013; http://www.abugfreemind.com
Tolle, Eckhart: The power of NOW. A guide to spiritual enlightenment. New World Library und Namaste Publishing, 2004)

Ein Zwölftel ist schon weg und wie wird der Rest?

2014 wird astrologisch als Saturnjahr bezeichnet.  Saturn, der Realitätsplanet, steht nach dem Senkrechten Weltbild für Qualitäten wie Verantwortung, Disziplin, Arbeit, Pflicht, Anstrengung…  Dabei entstehen  in uns nicht gerade euphorische Gefühle. Wahrscheinlich fühlt sich jedes Wort wie ein Kilo mehr in einem Rucksack an, den man auf einer langen Bergtour schleppen muss. Der Weg ist oft beschwerlich steil, führt manchmal über Geröllfelder, durch Schluchten und schmale Steige. Aber am Ende lockt der Gipfel, das Ziel, die grandiose Aussicht, für die sich jede Mühe lohnt und der innere Schweinhund hat aufgehört zu bellen, denn er ist bezwungen, für den Moment. Genau so fordert Saturn uns im astrologischen Sinn auf, einen Schritt nach dem anderen zu setzen, nicht hastig auf das Ziel fixiert zu rennen, sondern achtsam dabei auch das kleine Glück am Wegrand zu sehen. Das kleine Blümchen, den bunten Schmetterling, das Lächeln des Nachbarn, die freundliche Geste eines Fremden, der Dich in der Warteschlange vor lässt. Und, ganz wichtig,  dankbar dafür zu sein. Nichts ist selbstverständlich und zufällig. Wenn ich den Rucksack schon tragen muss, dann kann ich das auch mit innerer Freude und Gelassenheit, zumindest kann ich mich darin üben. Außerdem habe ich mir nach den geistigen Gesetzen diese Situation erschaffen, um weiter zu kommen. Also, wenn ich es noch nicht mal auf jemand anderen schieben kann, dann muss der Saturn herhalten.

Alle sieben Jahre bildet  Saturn im Transit zu seiner Stellung im Geburtshoroskop einen herausfordernden Winkel. Das sind  Wachstumsphasen, Reifezeiten, Jahresringe, wie man es auch immer nennen möchte. Und mir kommt es so vor, als ob Saturn mir für die nächsten 7 Jahre Hausaufgaben aufgibt und nach 7 Jahren kontrolliert, ob und wie ich sie gemacht habe. Ist er zufrieden, scheint die Sonne am Gipfel, und ich darf die Aussicht genießen. War meine Ausführung nachlässig, unordentlich, fahrig, ja, dann kommt kurz vor dem Ziel ein Wettersturz und ich muss schnell den Rückweg antreten und auf mein Ziel, den Gipfel, erneut hinarbeiten.

Von vielen Menschen habe ich im Januar gehört, der Monat sei mehr als anstrengend gewesen, das Leben hätte sie in kurzer Zeit vor viele Prüfungen und Herausforderungen gestellt, das Körpergefühl ist schwer und irgendwie ist alles anstrengend und überhaupt gab es wenig Gründe zum Lachen. Natürlich, einiges ist subjektive Wahrnehmung.   Aber dass die Zeiten ernster erlebt werden, entspricht dem Saturnprinzip. Das Thema Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und danach zu handeln, mit dem Hintergrund, dass in sieben Jahren die Hausaufgaben kontrolliert werden, lässt uns vielleicht doch achtsamer mit der Zeit und den eigenen Aufgaben umgehen. Entschleunigung ist angesagt und das kann Saturn sehr gut, er nimmt das Tempo raus und das kann doch auch ein Segen sein!

Ich möchte gerne Sonnenschein am Ende der Tour und so habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen, Dinge, die ich beginne auch fertig zu machen. Zusagen zu halten, oder wenn ich es im Vorfeld merke, dass ich sie nicht halten kann, erst gar keine machen und nicht zurückrudern mit fadenscheinigen Ausreden. Das ist sehr viel für eine Zwillingssonne wie mich, die gerne auf mehreren Hochzeiten tanzt und schnell mit Worten dabei ist.  Mal sehen, was Saturn dazu meint. Denn wenn Innen so wie außen ist,  ist jeder von uns sein eigener Saturn.

Wer mehr über Saturn erfahren möchte, ist gerne zum Workshop „Saturn, der Herr der Ringe“ am 23.2. eingeladen…
…in 82294 Oberschweinbach (S3 Mammendorf), 10 km nördlich von FFB, Ramweg 5, von 11.00 Uhr bis 14.00 Uhr, € 35,00. (Anmeldung bitte über die Kontaktseite von @SG.)

Ich wünsche Euch allen die Kraft für  ein inneres Lächeln, auch wenn der Rucksack schwer ist. Tragt ihn und denkt an das Gefühl, wie wohltuend es ist, ihn am Gipfel  eine Zeit lang abzunehmen. Ganz herzlich, Eure Silvia

Ach ja, wie wird der Rest von 2014? Jeder ist Schöpfer in seinem Leben, von daher wird der Rest so, wie Du ihn haben möchtest!

Einführung in die Experimentellen Zenkünste

„Schöpferisch werden und bewusst, um anders zu leben“

Jeder kann es…

Fröhlich und überrascht und staunend schauen auf das eigene Tun und das, was geschieht: das Spiel der Steine – der Wurf des Seils – die Entfaltung und der Tanz des Tuches…

Wir kommen in die Mitte, die überall ist… und immer hier und jetzt und jen- oder diesseits der klassischen Zen-Künste – Bogenschießen, Teezeremonie, Kalligraphie, Ikebana, das Sitzen – warten auf uns – absichtslos – und sich selbstlos freigebend für unser schöpferisches Tun, für einen un- oder sinnigen kreativen Akt, der sich ereignet, weil wir umfassend hören auf die Gegebenheiten: ein Stein ist ein Stein und steht für alles, was in einer Konstellation gesetzt werden kann, ein Seil hat seine wesenhaften Eigenheiten, die sich im Wurf oder im Ziehen zeigen, sowie sich das Wesen des Tuches beim Entfalten zeigt.

Und aaaaaaah! bei aller Achtsamkeit – ganz viel Lachen, jaaaaaaaah!

Wir fliegen über die Vielfalt der Möglichkeiten, die die experimentellen Zenkünste eröffnen. Schnuppern, wie die Gestimmtheit des täglichen Lebens zu verändern ist, indem wir bewusst schöpferisch werden. Spielerisch achtsam setzen wir Steine oder andere Dinge, entfalten das Tuch und werfen das Seil.

Alles was möglich ist, darf geschehen, Ungewohntes wird zugelassen und kann sich ereignen und Neues wird erforscht.

Nach diesen Stunden sind wir reicher an Möglichkeiten, den Alltag schöpferisch zu gestalten und als Schöpfung zu erleben. Was wir immer schon tun, tun wir achtsam und bewusst und spielen ganz ernsthaft und genau mit den Gegebenheiten.

Taoistische Meditation

Entspannungsmethoden gibt es viele. Eine – etwas weniger bekannte – ist die Taoistische Meditation.

Nun denkt man bei ‘Meditation’ vielleicht gleich an ‘esoterisches Gemüse’ oder Kloster, an spirituelle Versenkung und Säulenheilige. Doch die Taoistische Meditation ist etwas anderes: Sie verbindet Körper, Herz und Seele. Natürlich hat sie auch einen spirituellen Aspekt, den jeder so intensiv praktizieren kann, wie er/sie möchte.

Die Taoistische Meditation setzt jedoch nicht auf einer rein spirituellen Ebene an, sondern beginnt im ‘Leib’. Ich verwende hier ganz bewusst nicht das Wort ‘Körper’. Denn ‘Körper’ bezieht sich nur auf unser ‘Fleisch und Blut’. Der ‘Leib’ geht darüber hinaus – und genau das tut die Taoistische Mediation auch.

Nun sind aus dem asiatischen Kulturkreis die Chakren bekannt, die Energiezentren des Körpers markieren und über den Körper hinaus reichen. Ebenso spricht man in der Taoistischen Meditation von Energiekörpern, die in acht Schichten übereinander liegen.

  1. Physischer Körper
  2. Qi-Körper
  3. Emotionaler Körper. Er darf nicht mit den Emotionen gleichgesetzt werden, steht aber in Beziehung zu den Emotionen
  4. Mentaler Körper. Ermöglicht Visualisierungen, macht Gedanken möglich.
  5. Psychischer Körper. Die Intuition ist hier angesiedelt, die Zeitdimension kann verstanden werden. Nur wenige können diesen Körper wirklich wahrnehmen.
  6. Kausalkörper. Er „sorgt“ dafür, dass wir etwas machen. Karma, Tendenzen in uns. Über diesen Körper sind wir mit dem Universum verbunden nicht nur mit anderen Menschen auf dieser Erde.
  7. Individualkörper
  8. Tao-Körper

In der Taoistischen Meditation geht es nun darum, diese Schichten des Leibes Schritt für Schritt in ihren ganz unterschiedlichen Energien zu erspüren und Blockaden in diesen Schichten zu lösen.

Da Verspannungen sich zwar physisch bemerkbar machen können, jedoch im Qi-Körper oder dem emotionalen oder mentalen Körper sitzen können, ist die durch diese Meditationspraxis erreichte Entspannung sehr viel tiefer. Sie löst Verspannungen dort auf, wo sie entstanden sind – und nicht nur physisch.

Das klingt für viele zunächst sehr seltsam. Wer aber einmal in einem Meditationsseminar (z.B. bei Bruce Kumar Frantzis oder Andreas W Friedrich) erlebt hat, wie unterschiedlich sich die Energien im ‘Leib’ anfühlen und wie erlösend es sein kann, wenn sich Spannungen auflösen und abfließen, der wird diese Art von Entspannungsübung zunehmend in sein Leben einbauen wollen.